Keramik – einer der bekanntesten Werkstoffe

Badezimmer mit Keramik - WC, Bidet und Waschtisch von Villeroy & Boch

Foto: Badkollektion Avento mit Bad-Keramik | © Villeroy & Boch AG, Mettlach, Deutschland

Keramik ist einer der ältesten und bekanntesten Werkstoffe im Badezimmer. Erfahren Sie mehr über diesen Werkstoff, Wissenswertes und Vorteile:

 

Keramik-Produktion und Bestandteile

Sanitärkeramik besteht aus den natürlichen Rohstoffen Ton, Kaolin, Quarz und Feldspat. Diese Bausteine werden in großen Behältern zusammen mit Wasser zu einer Keramikgrundmasse (>>Schlicker) verarbeitet.

Diese Keramikmasse wird dann in Formen für die unterschiedlichen Keramik-Badprodukte gepumpt. In den jeweiligen Formen verbleibt die Keramikmasse für etwa 60 Minuten.

Nach dem Trocknen wird der Keramik-Rohling aus seiner Form genommen und feingeschliffen. In diesem Zustand hat die Keramik keine weiße Oberfläche, sondern wegen der unbehandelten natürlichen Rohstoffe eine eher grünliche Färbung.

Aber das ändert sich im nächsten Produktionsschritt.  Ist der sogenannte Scherben (Rohling) entstaubt, wird er mit einer Glasur überzogen. Diese Glasur besteht aus einem Gemisch von Quarz, Kreide und Feldspat. Diese Glasur wird manuell mit Spritzpistolen von Hand, durch automatische Spritzanlagen oder Roboter auf das Werkstück aufgetragen. Die Stärke der Glasur beträgt ca. 0,8 bis 1 mm.

Nach einer kurzen Trocknungsphase kommen die rohen, mit einer Glasur versehenen Keramikprodukte zum Brennen in dafür vorgesehene Industrieöfen (Tunnel- oder Herdwagen-Öfen). Dort wird die Sanitärkeramik bei sehr hohen Temperaturen von etwa 1280 Grad Celsius gebrannt. Nach dem Brennen hat die Keramik die weiß glänzende Oberfläche.

Eine Herausforderung bei der Produktion: Nach Trocknung und Brennvorgang können die Keramikteile bis zu 11 % schrumpfen. Besondere Brennhilfsmittel, Verfahren und viel Erfahrung bei der Herstellung von Keramik sorgen dafür, dass sich die Produkte während dieses Vorgangs nicht verformen, schrumpfen und letztendlich optimal formen.

An dieser Stelle sorgen Markenhersteller für eine perfekte Endkontrolle, damit nur einwandfreie und hochwertige Ware das Werk verlässt.

Keramik-Varianten

Abhängig von den zu produzierenden Badprodukten wird bei der Keramikproduktion mit unterschiedlichen Keramikmassen gearbeitet.

Dabei unterscheidet der Fachmann zwischen Sanitärporzellan, Steinzeug und Feinfeuerton. Sanitärporzellan –  in der Branche als Vitreous China bekannt – wurde etwa um 1920 entwickelt und wird heute am häufigsten für die Badkeramik-Produktion eingesetzt. Nicht nur bei Sanitärkeramik hat dieser Werkstoff das Steingut abgelöst, sondern auch bei der Geschirrproduktion.

Verantwortlich dafür sind die besseren Materialeigenschaften. Die Festigkeit und Dichte ist wesentlich höher als bei anderen Materialien. Darum eignet sich Vitreous China besonders für WCs. Man kann davon ausgehen, dass fast alle Toiletten daraus hergestellt werden.

Steinzeug und Feinfeuerton verformen sich nach dem Trocknen- und Brennvorgang nicht so stark wie Sanitärporzellan. Ursachen sind ein geringerer Glasphasenanteil und ein geringeres Eigengewicht, wodurch sich das Material beim Brennen deutlich weniger deformiert.   Daher werden diese Werkstoffe bei filigraneren Designs und Formen zum Beispiel bei Waschtischen angewendet.

Einige Markenhersteller haben in den letzten Jahren eigene spezielle Keramik-Varianten und Keramik-Rezepturen entwickelt, die zu einer noch höheren Schlagfestigkeit und Formbeständigkeit sowie zu filigraneren Design- und Gestaltungsmöglichkeiten bei Badkeramik geführt haben. Beispiele dafür sind TitanCeram von Villeroy & Boch und DuraCeram von Duravit.

Oberflächenveredelung bei Keramik

Markenhersteller bieten ihren Kunden auf Wunsch zusätzliche Oberflächenveredelungen für Badkeramik an. Eine Funktion dieser Zusatzveredelungen ist die Sanitärkeramik noch dichter, härter und langlebiger zu machen. Besonders wichtig ist, dass diese Oberflächenveredelungen bei Markenkeramik bereits in der Produktion mit in die Sanitärkeramik eingebrannt werden, also dauerhaft Bestand haben und sich nicht verflüchtigen können.

Beispiele für solche dichten, sehr glatten und damit schmutzabweisenden Keramikveredelungen (Zusatzglasuren, Beschichtungen) sind WonderGliss von Duravit, KeraTect von Geberit und CeramicPlus von Villeroy & Boch.

Eine weitere Art der eingebrannten Keramik-Beschichtungen sind antibakterielle Oberflächen, die über 99 % aller unerwünschten Bakterien vermindern. Logischerweise wird diese Veredelung gerne bei WCs, Urinalen und Bidets gewünscht. Beispiele dafür sind AntiBac von Villeroy & Boch und HygieneGlaze von Duravit.

Keramik-Qualität und Vorteile

Betrachtet man den gesamten Produktionsprozess von Sanitärkeramik, erkennt man sehr schnell, dass es bei der Herstellung hochwertiger Keramik eine Vielzahl von Qualitätsmerkmalen gibt.

Billig-Keramik kann sich wesentlich von Qualitätskeramik unterscheiden. Dazu gehören zum Beispiel die Keramikzusammensetzung, die Brenntechnik, die Maßgenauigkeit, die Oberflächen-Beschaffenheit, die Art und Qualität der Glasuren, die Festigkeit und die Materialdichte.

Alle diese Faktoren sind entscheidend, ob Kunden Jahre und Jahrzehnte Freude an den gekauften Badprodukten aus Keramik (WCs, Bidets, Urinale, Waschtische, Waschbecken) haben oder nicht. Billig-Keramik aus schlechter Produktion kann niemand auf den ersten Blick ansehen, dass es sich um Ware außerhalb deutscher Qualitätsansprüche handelt. Alles ist erstmal schön weiß und glänzend.

Gute Qualitäts-Keramik ist hitze- und kältebeständig, geruchsneutral, geschmacksneutral, lichtecht (UV-beständig) und als natürlicher Rohstoff völlig unbedenklich, extrem langlebig und hygienisch. Daher ist der Werkstoff Keramik überall dort Standard, wo besondere Hygiene gefordert ist.

Wir empfehlen – wie bei allen Produkten rund um hochwertige und langlebige Badezimmer – sich an den Fachhandel, Bäderstudios oder Hersteller-Badberatungen zu wenden und auf Markenqualität zu setzen.

Keramik-Alternativen

Sanitär-Keramik glänzt durch eine sehr dichte Oberfläche, die daher sehr gerne für WCs, Urinale und Bidets eingesetzt wird. Deren Beständigkeit, Widerstandsfähigkeit und Resistenz kann durch optionale Oberflächen-Veredelungen noch weiter gesteigert werden.

Für Waschtische, Badewannen und Duschwannen (Duschböden) haben sich auch andere Werkstoffe und Materialien als Alternative zu Keramik bewährt. Die am häufigsten verwendeten Alternativen sind Acryl (Sanitäracryl / Kunststoff), Mineralguss und Stahl-Email.

Da alternative Werkstoffe sehr oft mit weiß glänzenden Oberflächen angeboten werden, sind diese für den Laien und den Badspezialisten auf den ersten Blick kaum von Sanitärkeramik zu unterscheiden. Deshalb wird das Wort „Keramik“ umgangssprachlich auch gerne als Oberbegriff für alle möglichen Werkstoffe verwendet.

Neben Sanitärkeramik, Sanitäracryl, Mineralguss und Stahl-Email (Stahl-Emaille) und deren Varianten gibt es ein breites Angebot markenspezifischer Werkstoffe, die für das Badezimmer geeignet sind und sich bewährt haben. Typische Beispiele dafür sind bekannte Markenwerkstoffe wie Corian, Varicor, Quaryl und TitanCeram. Weniger bekannt sind Tecnoril, Geacryl (Geacril) und Ocritech.

Aus dem Küchenbereich und dem Fassadenbau wurden Materialien wie Ecomalta, Neolith, Plexicor und HPL in das Bad importiert, vorwiegend für die Waschtisch-Produktion. Und last but not least sollen Glas, Holz und Naturstein im Badezimmer nicht vergessen werden.

Fazit

Sanitärkeramik ist das am häufigsten verwendete Material für die Herstellung von Badprodukten wie WCs / Toiletten, Bidets, Urinale, Waschbecken und Waschtische.

Hauptmerkmal ist eine bewährte dichte, widerstandsfähige, glänzende und glatte Oberfläche. Im Gegensatz zu früher erlauben moderne Rezepturen und Varianten auch im Badezimmer sehr feine Designs und filigrane Gestaltungsmöglichkeiten. Qualitäts-Keramik ist sehr zuverlässig und langlebig.

Wir empfehlen, sich bei der Auswahl der Badkeramik an den Fachhandel zu wenden.